• Willi Margreiter

    WUUX Surfboards

Surfboard-Guru aus den Alpen

Seine Wuux Surfboards verkauft Willi Margreiter von Grödig aus in die ganze Welt. Sie sind für ihren individuellen Charakter bekannt. Die von ihm entwickelte Technik, feines Holzfurnier über einen robusten Kern zu spannen, ist so einzigartig, dass er sie selbst kaum beschreiben kann. Wir haben den Shaper in seiner Werkstatt in Grödig besucht und mit ihm über Handwerk, Leidenschaft und die Liebe zum Unperfekten gesprochen.

Hallo Willi, deine Wuux-Surfboards sind so berühmt, dass du auf Instagram schon als Guru gefeiert wirst. Die Warteliste ist lang, Kunden aus aller Welt wollen deine Boards. Wie hast du das geschafft?

Das Geheimnis ist: Keiner baut weltweit seine Boards so wie ich. Viele haben schon versucht, meine Technik nachzuahmen, aber niemandem gelingt es. Das ist mein großes Glück!


Du bist vom Grundberuf her Architekt. Heute bist du Inhaber einer Werbe-/Designagentur und einer Tischlerei, baust weltberühmte Surfboards… klingt nach einem spannenden Lebenslauf!

Ich hab die HTL für Holztechnologie in Kuchl absolviert und danach Architektur studiert. Damals hab ich das cool gefunden, bin aber bald draufgekommen, dass die Realität als Architekt ganz anders aussieht. Man ist eingesperrt zwischen Normen, Regeln, Richtlinien, maximalen Flächenzahlen… in Wirklichkeit bleibt da nicht viel Platz für Kreativität. Während des Studiums sind dann immer wieder Anfragen für Projekte gekommen. Ich hab mich früh selbstständig gemacht und seit dem viele spannende Aufträge in den unterschiedlichsten Bereichen übernommen. Mein Vater ist Tischler, mein Opa war Wagner und Tischler und hat Schlitten, Ski und Kutschen hergestellt, ich hab das Handwerk zum Biegen also quasi schon vererbt bekommen. Das brauche ich ja heute beim Surfboard-Bauen auch.


Was ist das Besondere an deinen Surfboards?

Zuerst einmal der Aha-Effekt, ein Wuux Surfboard sticht optisch und haptisch einfach heraus! Ich mache aus den schwersten Hölzern einige der leichtesten und robustesten Surfboards der Welt. Holz-Surfboardhersteller gibt es viele, jedoch haben nur meine Boards eine einzigartige Haptik, bei der man die Holzstruktur sehen und spüren kann. Ich habe eine einzigartige Technik entwickelt, hochwertige Furniere über das Brett zu ziehen. Der letzte Schritt, wenn das Furnier über die Kanten gezogen wird, ist jedes Mal nervenaufreibend, das ist der alles entscheidende Moment. Rein technisch gesehen ist es gar nicht möglich, Holz so zu verarbeiten. Da kann so vieles schief gehen. Aber trotzdem schaffe ich es immer wieder, mit der nötigen Toleranz und Unperfektheit ein Kunstwerk zu kreieren. Ich spüre förmlich, wie viel ich den Holzfasern noch zumuten kann, wie dick die Furnier noch ist und wann ich besonders aufpassen muss.


Woher weißt du, wie man Surfboards baut? 

Die Verbindung von Glasfaser, Carbon und Holz hat mich schon seit meinem Studium fasziniert. Das Wissen über Faserverbundwerkstoffe und Surfboards habe ich mir zur Gänze selbst beigebracht und recherchiert. Ich habe stundenlang Videos analysiert und die ersten Boards aus rein technischer Sicht entwickelt. Natürlich habe ich dann mit meinen Teamridern zusammen und mit dem Feedback von Kunden meine Boards ständig weiterentwickelt. Meine Liebe zu Faserverbundwerkstoffen habe ich während der Uni entdeckt. Im Jahr 2004 erhielt ich den Auftrag vom Sportinstitut Innsbruck, Schienbeinschoner für das Österreichische Ski-Nationalteam im Slalom zu entwickeln. Ich hatte keine Ahnung von Schienbeinschonern, aber ich tüftelte sofort darauf los. In vier Tagen sollten die Schoner einsatzbereit sein! Ich werde nie vergessen, wie ich Benni Raich seine Schienbeinschoner im Hotelzimmer angepasst hab – und am nächsten Tag ist „mein“ Schoner dann beim ersten Weltcupsieg mit dabei gewesen! Begonnen hat alles 1998 mit dem Bau von Kitesurfboards, 2012 sind dann die Surfer vom Almkanal zu mir gekommen, weil sie gewusst haben, dass ich mich mit Boards auskenne. Seit 2013 gibt es Wuux Surfboards als eigenständiger Brand und es hat viel Entwicklungsarbeit gebraucht, um den Schritt vom Almkanal-Surfboard über den Österreichischen Staatsmeistertitel im Surfen 2016 in Portugal zu erringen, bis zum ersten Surfboard, das 2017 nach Hawaii verkauft wurde.


Kiten und Surfen sind also sehr ähnliche Sportarten?

Nein, absolut nicht. Das denkt man vielleicht, wenn man sich in der Szene nicht auskennt. Das einzige, was gleich ist, ist die Tatsache, dass man auf einem Board steht und wie diese Boards gebaut werden. Kitern geht es viel mehr um die neueste Technik, ständig neu Innovationen und modernes Design, während Surfer einen ganz besonderen Spirit leben – ihnen ist Soul und zeitlose Qualität wichtiger als jeden Trend hinterher zu hasten. Ganz in der Nähe meiner Werkstatt wurde vor ein paar Jahren am Almkanal die erste künstliche Surfwelle in Salzburg gebaut – die Almwelle. Die Surfer kamen dorthin und es entwickelte sich eine richtige Riversurf-Szene. Aber ihre Boards gingen regelmäßig kaputt. Deshalb kamen sie zu mir und baten mich um ein stabileres Board. Die Aufgabenstellung, stabile Surfboards zu bauen, faszinierte mich und schien lösbar. Ich begann eine Technik zu entwickeln, die jetzt weltweit für Aufmerksamkeit sorgt – leichte Surfboards mit edlem Holzfurnier, die zugleich robust sind und mit ihrer Optik weltweit auf große Anerkennung bekommen.


Die Surfer sind begeistert. Deine Boards werden in alle Welt verkauft…

Ich habe Bestellungen aus ganz Europa, aus Brasilien, den USA, Russland bis zu Taiwan und Süd Korea. Mich hat einen Shaper aus Südafrika besucht, der meinte: „Jeder will ein Wuux-Board!“. Als ich in Los Angeles am Strand entlang ging, kamen Surfer auf mich zu und sprachen mich auf meine Boards an und wir haben Selfies gemacht. Das ist schon verrückt!

»Rein technisch gesehen ist es gar nicht möglich, Holz so zu verarbeiten.«

Was macht die Surfer-Szene so einzigartig?

Surfen ist nicht bloß eine Sportart. Es ist ein Lebensgefühl, die Grundkultur der Boardsportarten. Surfer leben einem gewissen Spirit. Für Surfer ist es wichtig, das Gesicht hinter dem Board zu kennen. Sie schätzen es sehr, wenn das Board eine echte Geschichte hat, wenn sie den Shaper kennen, und sei es nur über social media. Außerdem geht es nicht so wie beim Kiten vornehmlich um die beste Technik, sondern vielmehr um den Charakter des Boards. Es geht nicht um Perfektion, sondern vielmehr um Individualität.


Surfboard-Bauer klingt nach einem echten Traumjob…

Das ist er für mich auch. Doch es gibt auch Schattenseiten. Etwa wenn ich den Aufwand rechne, die vielen Stunden, die ich in der Werkstatt stehe (und nicht surfe, wie viele Menschen glauben). Mir ist schnell klar geworden, dass man dadurch nicht reich wird. Aber die Leidenschaft, Neues zu kreieren sowie die Anerkennung, die dir Kunden entgegenbringen, ist grenzenlos und unbezahlbar. Wenn ich freie Zeit übrig habe, stelle ich mich sofort wieder in die Werkstatt und shape. Im Vergleich zu einem 0815-Job arbeite ich sicher viel mehr, ich habe viel weniger Sicherheit und verdiene auch weniger als zum Beispiel einige meiner ehemaligen Studienkollegen. Aber wenn ich nach einem Tag in der Werkstatt nach Hause komme, bin ich einfach glücklich. Manchmal ist es natürlich auch anstrengend, dann kommt vielleicht ein Foto per WhatsApp mit den Worten „Danke für das weltweit geilste Surfboard!“ oder über Instagram kommen neue Anfragen aus der ganzen Welt herein, dann weiß ich, wofür das alles gut ist.


Gab es jemals Momente, in denen du an deinem Erfolg gezweifelt hast?

Ja selbstverständlich! Vor drei Jahren haben gute Freunde zu mir gesagt: „Du wirst nie ein Board ans Meer verkaufen!“. Und heute muss ich Kunden aus aller Welt monatelang auf die Warteliste setzten.


Du hast bereits Boards für google© geshaped, seitdem gibt es eine hohe Nachfrage nach Wuux Sisterboards. Was ist das eigentlich?

Die Idee dazu entstand, als eine Kundin mit ihrer Schwester zu mir kam. Ich hab zu ihr gesagt: „Du willst bestimmt ein Schwesternbrettl vom selben Holz!“ Und so entstand die Idee des Sisterboards. Für meine Boards sind nur ausgewählte Stücke der Holzfurniere geeignet. Die Sisterboards werden aus dem selben Holz gefertigt. Sie stammen vom selben Baum, sind genetisch ident, also miteinander verwandt. Das Spannende am Wuux Sisterboards Konzept ist nicht nur, dass die Boards ähnlich aussehen und miteinander verwandt sind, sondern dass ich meine Kunden mit Sisterboards vernetze. So können sie sich mit ihren Sisterboards treffen und gemeinsam surfen. Da kommt es schon mal vor, dass ein Board nach Deutschland geht und eines in die USA und sich die Besitzer in Spanien zum gemeinsamen Surfen treffen. So verbinden Wuux-Boards Menschen.


Welchen Rat würdest du einem 16-jährigen geben?

Ich würde mir ansehen, welche Fähigkeiten und Stärken er oder sie hat und ihm dann raten, diese zu fördern, dort, wo die eigene Leidenschaft liegt. Natürlich ist es super, wenn man damit sein Geld verdienen kann. Das ist aber nicht immer so. Man muss aber auch sein tägliches Brot verdienen und mal in den sauren Apfel beißen. Wenn man seine Leidenschaft nicht im Beruf umsetzen kann, ist es umso wichtiger, sich in der Freizeit Raum dafür zu nehmen.


Hast du ein Motto?

So direkt ein Motto habe ich nicht. Aber ein paar wichtige Dinge, die ich in der Ausbildung gelernt habe, begleiten mich bis heute. So wie der Ausspruch von Jack Welch (GE): „wichtige Information, die nicht auf einer A4-Seite Platz hat, ist unwichtig.“. Nach diesem Grundsatz lebe ich auch. Ich bin sehr direkt, minimalistisch und pragmatisch, außerdem sehr lösungsorientiert. Ich denke, dass mir das bei meiner Arbeit immer sehr geholfen hat. In der Uni habe ich gelernt, alles zu hinterfragen: „Welchen Grund hat das? Warum? Wozu?“. Zugleich ist es immer wichtig, sich Freiraum zu schaffen. Gute Planung macht Sinn, aber zu viel planen schränkt den eigenen Handlungsspielraum und das Leben ein. Außerdem brauchen gewisse Projekte vor allem Zeit zum Reifen. Eine Altstadt hat sich auch über die Jahrzehnte, ja Jahrhunderte entwickelt. Das kann man nicht auf einmal planen, sonst kommt so etwas wie Dubai raus – perfekt geplant, aber ohne Charme und eigenes Leben. Wenn man hingegen in Europa durch eine Altstadt mit ihren Gassen spaziert, ist das ein ganz anderes Gefühl. Das macht gerade ihren Charme aus: Die Schönheit des Unperfekten.

Wir bedanken uns für das wunderbare Gespräch!

»Mir ist schnell klar geworden, dass man dadurch nicht reich wird. Aber die Leidenschaft, Neues zu kreieren sowie die Anerkennung, die dir Kunden entgegenbringen, ist grenzenlos und unbezahlbar. «

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