• Romy Sigl

    Coworking Queen

Kreative Kosmopolitin voll Lebensfreude

Als Kind war sie immer die Mutige unter drei Schwestern. Mutig und offen begegnet sie auch heute neuen Herausforderungen.  Von Visionen geleitet, mit Begeisterung für die Möglichkeiten unserer Zeit und mit einer wahnsinnig positiven Ausstrahlung geht Romy Sigl durch`s Leben. In ihrem Coworking Space Salzburg, dem ersten Ort für Kollaboration in Salzburg, treffen sich kreative Einzelkämpfer ebenso wie aufstrebende Start-Ups. Bevor zuviel Routine in den Arbeitsalltag bedroht, wird das Coworking schon mal ans Meer verlagert. Doch statt Sonne, Strand und Meer zählen für die lebensfrohe Salzburgerin vor allem die Menschen, die sie rund um den Globus kennen lernt. Im Gespräch erzählt die energiegeladene Gründerin über Ihr Motto, Ihre Erfahrungen und Ihre Pläne für die Zukunft. 

»Do what you love.«

Eigentlich wolltest du ja Astronautin werden. Jetzt sitzen wir hier in deinem Coworking Space… Wie kam es dazu?

(lacht)… Ja, das war wohl eher ein Kindheitstraum. Nach meinem Studium bin ich bei einer der größten Designfirmen Mitteleuropas im strategischen Management eingestiegen. Nach vier Jahren hab ich begonnen, zu reflektieren: „Was kann ich noch verbessern?“. Das haben die Eigentümer überhaupt nicht so geschätzt. Ich hab mir gedacht: „Wenn die nicht hören wollen, was ich verbessern will, dann bin ich hier falsch.“ Dann war klar: Ich mach mein eigenes Ding. Im Nachhinein bin ich dieser Firma sehr dankbar, ich war überall unterwegs auf der Welt und hab gesehen, dass auch die großen Unternehmer nur mit Wasser kochen. Klar, Fleiß und Engagement braucht man auf jeden Fall. Im Jahr 2011 hab ich eine Reportage auf arte gesehen – eine 45 minütige Doku über das Beta-Haus. Im Urlaub hatte ich dann Zeit zum Nachdenken und die Idee vom Coworking ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich bin dann nach Berlin gefahren, um mir das anzusehen. Da war mir  klar, dass ich mich selbstständig machen möchte und dass ich mit diesem Wunsch doch  nicht alleine sein konnte. Ich machte mich auf die Suche nach Gleichgesinnten und einer geeigneten Location. Ein Jahr später haben wir dann dieses Loft im Techno Z gefunden und am 1.1.2012 den Coworking Space Salzburg dann eröffnet.


Heute ist dein Coworking das erfolgreichste in Salzburg – wie ist es weiter gegangen?

Ich war ein zwei Mal in Berlin und immer öfter auch bei den Coworkings in Wien. Dort habe ich viel gelernt und die Startup-Szene kennen gelernt. Mir hat das Wort „Startup“ damals gar nicht viel gesagt. Doch dann hab ich gelernt, dass das eine ganz eigene Kultur ist und eine ganz andere Szene, die extrem positiv ist. Da ist einfach ein hohes Energielevel da. Wenn man ein Coworking Space eröffnet, zieht man solche Menschen auch ein. So hat sich schnelle eine Mischung aus kreativen Einzelkämpfern, IT-Entwicklern und jungen Start-Ups entwickelt. Ich habe dann gemerkt, dass Start-Ups ganz eigene Bedürfnisse haben: Investoren, Kunden und Mitarbeiter. Bis heute versuche ich, immer den Menschen hinter der Arbeit zu sehen und herauszufinden, was er oder sie braucht, um sich wohl zu fühlen.


Wie ist das Coworking ans Meer gekommen?

Nach zwei Jahren Bestehen hat einer aus dem Team gemeint: „Was wäre, wenn wir den Coworking Space ans Meer verlegen?“. Wir haben das anfangs als Scherz abgetan, er hat aber nicht aufgegeben. Na gut, dann haben wir das Vorhaben eben beworben und plötzlich wurden wir von einem großen Amerikanischen Blog (venturebeat.com) gefeatured worden. Und im Jahr 2014 haben wir dann unser erstes Coworking Camp in Ägypten veranstaltet. Dort haben wir uns mit lokalen Coworkern und Start Ups vernetzt, haben Kontakte nach Middle East geknüpft und viele neue Bekanntschaften gemacht. Wir haben gelernt, wie Coworking generell und selbstständig sein überhaupt in anderen Ländern funktioniert. Man denkt sich als Start Up :“Jetzt erobere ich die ganze Welt“ und dann kommt man darauf, dass man in Saudi Arabien nicht als Mann und Frau gemeinsam in einem Raum arbeiten darf. Beim ersten Camp war rund 40 Teilnehmer dabei. Darunter zehn Coworking Space Betreiber, ein Drittel Teilnehmer aus Ägypten und zwei Drittel aus ganz Europa: Italien, Deutschland, Österreich, Schweiz. Vernetzt haben wir uns über facebook und andere Social Media Kanäle. Beim zweiten Camp waren dann 19 verschiedene Länder aus der MENA-Region vertreten – Saudi Arabien, Jemen, Orman, Jordanien, Ruanda, Simbabwe. Eine unglaubliche Erfahrung und sehr wertvolles Netzwerken!


Was hast du in den vergangenen Jahren als Unternehmerin gelernt?

Sechzig Prozent der Coworking Spaces sperren nach ein paar Monaten wieder zu, weil die Gründer zu gutmütig sind. Sie fordern vielleicht von manchen weniger Miete, weil die es sich anfangs nicht leisten können. Das ist aus meiner Sicht aber unfair allen anderen gegenüber und bringt am Ende niemandem etwas. Natürlich gibt es immer mal schwierige Zeiten, wo man sich gegenseitig unterstützt, aber nicht auf Dauer. Das Coworking Space muss so gut organisiert sein, dass die Menschen gerne hier sind. Wenn wir Events oder Meetings veranstalten, müssen die so gut sein, dass die Menschen freiwillig kommen – sie sind ja nicht meine Angestellten, sondern frei und unabhängig. Ich arbeite einerseits sehr lokal, um den Menschen hier im Coworking Space Salzburg ein gutes Umfeld zu schaffen. Andererseits denke und arbeite ich sehr global, ich bin mittlerweile auf der ganzen Welt vernetzt und liebe es, Menschen und ihre Arbeit, ihre Visionen kennen zu lernen. Das erweitert den Horizont ungemein.


Welche Frage beschäftigt dich?

Müssen wir alle immer vollkommen glücklich und zufrieden sein oder reicht es manchmal auch, einfach nur unsere Familie ernähren zu können? Vor ein paar Jahren hab ich mir gedacht es ist peinlich, als Start-Up keine Mitarbeiter zu haben. Heute denke ich mir: Es ist schön, das zu tun, was einem Spaß macht und gut funktioniert, es muss nicht immer das große Unternehmen sein.


»Unsere Vision ist es, mit den besten Köpfen auf der ganzen Welt zusammen zu arbeiten und uns miteinander zu vernetzten.«

Hast du ein Vorbild?

Ich habe sehr viele Vorbilder. Einmal pro Monat telefoniere ich mit rund fünfzig Menschen auf der ganzen Welt. Nur so schaffe ich, mit diesen wertvollen Personen in Kontakt zu bleiben. Dann stelle ich ihnen immer die selbe Frage: „Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie happy bist du?“. Diese Frage führt innerhalb von Sekunden zu sehr tief gehenden Gesprächen. Manche sind da eher praktisch orientiert und schicken mir einfach kommentarlos eine Zahl, es ist auch interessant zu sehen, dass einer, der sehr erfolgreich ist, nicht immer zu 100 % glücklich ist.


Gibt es ein Erlebnis, das für dich unvergesslich ist?

Bei einem Event im Silicon Valley hab ich mit Startups aus der ganzen Welt auf das Eintreffen von Barack Obama gewartet. Dann hab ich mir gedacht, ich nutze die Zeit und hab die Leader gefragt: „Angenommen du hast eine Superkraft: Du kannst jeden einladen und der kommt. Was ist das größte globale Problem und welche zehn Leute würdest du einladen?“. Da hab ich wahnsinnig tolle Antworten bekommen.  (Hier geht`s zum Video)  Jetzt habe ich eine verrückte Vision: Ein Coworking mit diesen Persönlichkeiten, über die größten globalen Probleme. Auf höchster aller Ebenen – wie ein World Economy Forum oder DAVOS, nur besser. Das ist meine Lifetime-Vision für die nächsten zehn Jahre. Ich war mit der Idee bei wichtigen Inkubatoren, hab mit einflussreichen Leuten darüber gesprochen und die Reaktion war immer: „Ja stimmt, warum eigentlich nicht?“


Was ist die wichtigste Erkenntnis in deinem Leben?

Viele Menschen arbeiten bis zur Pension und hoffen, dann noch das Leben genießen zu können – das ist für mich die absurdeste Einstellung überhaupt. Das hat bestimmt auch mit meiner Erfahrung als Angestellte zu tun: Ich habe für diese Firma alles getan und wurde so schlecht behandelt, davon habe ich heute noch manchmal Alpträume. Das hab ich dann noch ein Jahr lang reflektiert. Heute gehe ich viel an die frische Luft, genieße die Natur und bin wahnsinnig gerne alleine am Berg unterwegs. Zeit für sich selbst ist wichtig. Ich mache etwas mit vollem Herzen oder gar nicht.


Was würdest du deinem 16-jährigen Ich sagen?

Ich würde mir selbst sagen: „Stress dich nicht so, du schaffst es trotzdem!“ Und: „Denk daran, was wichtig ist. Gibt nicht 100 % für etwas, hinter dem du nicht wirklich stehst.“ Wow, das muss ich mir heute auch noch öfter sage. (lacht) Ich reflektiere regelmäßig und miste aus –  wenn es sich nicht mehr gut anfühlt, dann stimmt etwas nicht. Ein anderer wichtiger Rat ist, dass jede Kritik eine Chance ist, für die man dankbar sein soll.


Wir danken für das wunderbare Gespräch!

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