• Nuriel Molcho

    NENI, Hutmacher und Familienmensch

Leidenschaftlicher Ästhet voll Wanderlust

Im Alter von 21 Jahren hat er gemeinsam mit seinem Bruder Elior und seiner Mutter Haya Molcho das NENI am Wiener Naschmarkt eröffnet. Sein Leben ist geprägt von Ästhetik, Zufriedenheit und Leidenschaft. In seiner Hutmacherei am Naschmarkt besuchen wir den kreativen Wiener auf einen Kaffee. 

»Life is beautiful.«

Hallo Nuriel, vom Wiener Naschmarkt bis nach Berlin, das NENI zählt zu den besten Restaurants, die wir kennen. Was steckt hinter eurem Erfolg?

Nach meinem Studium in London war ich in Barcelona. Meine Mutter rief mich vor vier Jahren an und sagte: „Nuriel, ich habe die Möglichkeit, ein Restaurant am Naschmarkt zu eröffnen. Ich kenn mich mit dem Essen aus, aber ohne die Unterstützung von Elior und dir schaffe ich es nicht“. Ich habe sofort gemerkt, wie wichtig es für meine Mutter gewesen ist. Am nächsten Tag sind wir nach Wien geflogen und haben begonnen, das NENI am Naschmarkt aufzubauen. Ein Jahr voller Turbulenzen folgte. Nichts war so, wie wir es im Studium gelernt hatten, wir mussten uns alles beibringen, Gewerbescheine machen, Businesspläne aufstellen und umsetzen. Es war eine wahnsinnig intensive Zeit, in der wir ganz viel gelernt haben. Wir haben wirklich sehr viel Energie investiert und sind bis heute immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten. Anders ist Erfolg gar nicht möglich. Nach außen wirkt alles leicht, das ist auch das Ziel unserer Arbeit. Dahinter steckt aber sehr viel Aufwand. Ein Restaurant in einer anderen Stadt zu eröffnen braucht mindestens zwei Jahre Vorarbeit. Aber wir machen nicht irgendwas, wir wollen das Gefühl von Leichtigkeit vermitteln.


Du bist für viele Menschen eine Inspiration. Neben NENI und anderen Projekten bist du jetzt als Hutmacher bekannt. Was treibt dich dazu an, immer Neues zu probieren? Und wieso trauen sich das so viele Leute nicht?

Ich denke eine Sache ist die Erziehung. Unsere Eltern haben immer gesagt: „Ihr könnt alles probieren, und wenn ihr etwas nicht schafft, ist das auch kein Problem.“ Wir wurden nie auf Leistung hingedrillt und hatten auch nie dieses competitiv, auch nicht untereinander als Brüder. Aber wir hatten immer diese Neugierde in uns. Und wenn du mit dieser Philosophie ins Leben hineingehst, probierst du einfach viele Sachen aus. Viele Menschen möchten alles genau planen. Beim Hutmachen zum Beispiel: Viele haben mir gesagt, es dauert Jahre, bis man das kann. Ich hab mir ein paar YouTube-Videos angeschaut und es gleich einmal ausprobiert. Vielleicht kann man die Dinge nicht so gut wie andere, aber wenn man sein Potenzial entdeckt und die Leidenschaft daran findet, dann mach ich eben weiter. Oft wagen Menschen den ersten Schritt schon einmal nicht und scheitern, bevor sie überhaupt begonnen haben.


Du siehst die Grundlage deiner Philosophie in der Erziehung?

Ja, definitiv. Wir wurden nie bestraft oder runtergemacht, wenn wir etwas schlecht gemacht haben. Ich messe meinen Selbstwert nicht an Erfolgen. Vielmehr an mir selbst. Wenn man in sich glücklich ist, dann sind auch Niederlagen nicht so schlimm. Wir alle vier sind so, bis heute verstehen wir uns super und unterstützen uns gegenseitig. Unsere Eltern haben uns immer so erzogen, dass wir uns alle gleich behandelt gefühlt haben. Wir hatten viele Freiheiten und wurden ohne Angst erzogen. Früher haben ihre Bekannten sich öfter gewundert über ihre unkonventionelle Erziehung, die so offen und so anders war. Aber meine Mutter hat gesagt: „Sprechen wir noch einmal, wenn sie erwachsen sind.“


Gibt es in deinem Leben Vorbilder?

Auf jeden Fall meine Eltern. Wie sie ihr Leben leben, sie sehen immer das Positive in Allem. Sie trauen sich, offen Emotionen zu zeigen von Liebe über Trauer. Sie sind einfach Lebemenschen, die das Leben genießen, helfen, wo sie helfen können. Wenn ich Leute sehe, die ihre Leidenschaft leben, das beeindruckt mich. Ich denke da etwa an einen 14-jährigen Jungen, der mir seine Werke zeigen wollte. Er war so selbstbewusst und hat mir seine Kunstwerke gezeigt. Die Kunstwerke waren wirklich nicht meins. Aber ich hab zu ihm gesagt: „Du hast Potenzial, arbeite an dir, und du wirst etwas erreichen.“ Er schickt mir jedes Jahr Bilder von seinen Werken, er gibt nicht auf, er wird es auch schaffen. So etwas fasziniert mich.


Was bedeutet Glück für dich?

Ich denke, man muss seine Leidenschaft entdecken und diese auch leben. Dazu muss man erst einmal seine Leidenschaft und seine inneren Begabungen finden. Wenn das gelingt, kann man ein sehr gutes Leben haben. Glück bedeutet für mich auch, Freude mit anderen teilen zu können. Menschen um sich zu haben, die sich mit einem freuen, ist mir sehr wichtig. Man kann etwas sehr gut machen oder etwas Schönes erleben, aber wenn man umgeben von Menschen ist, die einen runtermachen, die nur das  Negative sehen, dann kann man sein Glück auch nicht genießen.


Welche Bedeutung hat Geld für dich?

Es ist natürlich immer einfach zu sagen, Geld ist nicht wichtig, wenn man keine Geldsorgen hat. Aber Geld ist die Grundlage, um sich Dinge zu ermöglichen. Es hört sich an wie dieser blöde Spruch, den man so oft gehört hat: „Tu was du liebst, und das Geld kommt von alleine rein.“ Aber es ist eben so. Mit den Hüten war das genauso. Ich wollte Hüte machen, einfach aus meiner Leidenschaft heraus. Und jetzt ist das Business so gut angelaufen, dass Menschen schon lange warten müssen, wenn sie einen Hut bestellen.


Welchen Rat würdest du einem 16-Jährigen geben?

Ich frag die Leute meistens: „Was sind Sachen, die dir leicht fallen? Was ist für andere schwer, für dich aber ganz selbstverständlich?“ Das kann Kochen sein, oder Sprachen lernen, vielleicht kann man gut mit Menschen umgehen oder ist immer derjenige, der Stimmung in eine Runde bringt. Das muss man erkennen und sich dann darin verbessern. Denn Dinge, die leicht fallen, machen dann viel mehr Spaß.


Woher nimmst du die Energie für deine Projekte?

Alles, was man gern macht, fällt einem schon mal leicht. Außerdem denke ich, dass viele Menschen sich zu wenig Zeit dafür nehmen, was sie gerne tun. Ich versuche, mir mehrmals pro Woche Zeit für mein Hobby zu nehmen. Ich versuche drei Mal pro Woche einfach mit meiner Kamera raus zu gehen und zu fotografieren. Wenn dann ein guter Shot rauskommt, dann zahlt sich das schon aus. Wenn du gerne Musik hörst, dann setz die Kopfhörer auf und höre wirklich die Musik, die dir gefällt. Lern andere Menschen kennen, die auch so viel Freude daran haben.  Die meisten Menschen gehen in die Arbeit, kommen nach Hause, setzen sich vor den Fernseher und das war´s. Aber das hat aus meiner Sicht nichts mit Leidenschaft zu tun.


Welche Rolle spielen Glaube und Religion in deinem Leben?

Religion kann Menschen Hoffnung geben, aber ich mag Religion eigentlich gar nicht. In der Geschichte ist daraus viel mehr Negativität und so viel Aggression entstanden. Einerseits verbindet Religion, aber sie polarisiert sehr stark. Ich komme aus einem Land, in dem Religion sehr wichtig ist, aber auch viel Negatives mit sich gebracht hat. Religion trennt mehr, als sie Menschen zusammen führt. Für mich ist Tradition sehr wichtig. Ein gemeinsames Abendessen mit der Familie, etwas zusammen zu unternehmen, einfach miteinander sein, das ist mir viel wichtiger als religiöse Feste, die vorgeschrieben sind.


Wofür bist du dankbar?

Für vieles! Nichts ist selbstverständlich! Für meine Familie, für meine Lebenspartnerin, für den Erfolg. Ich sag mir das auch täglich selbst. Sobald man etwas als selbstverständlich sieht, hat es nicht mehr dieselbe Bedeutung, wie wenn man wirklich dankbar dafür ist.


Du reist sehr viel, woher kommt diese Reiselust?

Definitiv von meinen Eltern, die haben uns von Beginn an überall hin mitgenommen. Heute versuche ich, mindestens ein bis zwei Mal im Monat zu verreisen. Das verhindert auch, dass Monotonie aufkommt. Es gibt heute so viele Möglichkeiten, mit einem günstigen Flug in eine tolle Stadt zu kommen, dort umher zu spazieren und neue Orte zu entdecken. Wir versuchen auch mindestens einmal im Jahr gemeinsam mit Freunden und meinen Brüdern an einen Ort zu reisen, an dem wir noch nie waren.


 

Wir danken für das wunderbare Gespräch!

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