• Lena Catarina Kratz

    Fernweh, Familie und Faszination

Mit einem Dreijährigen ans andere Ende der Welt? Manche fanden die Idee verrückt, gar verantwortungslos, viele bewundernswert. Im Portraits spricht die sympathische Bloggerin und Designerin aus Wien über ihre Leidenschaft für Reisen, die Dankbarkeit für Herausforderungen und die verschrobene Realität auf social media. 

»Im Jetzt leben.«

Liebe Lena, du bist eine der bekanntesten Bloggerinnen in Österreich. Wie bist du dazu gekommen?

Bis zum Jahr 2015 war ich in den Bereichen PR und Marketing in einem Angestelltenverhältnis tätig und habe nebenbei immer wieder kleine Aufträge auf selbstständiger Basis angenommen. Mein Blog Mit Handkuss ist seit 2012 online. Aus einer Leidenschaft heraus hat sich der Blog dann weiterentwickelt. Im Jahr 2015 hat es in meinem Leben viele Veränderungen gegeben, sowohl im Beruflichen als auf im Privaten. Damals hab ich  einige wichtige Entscheidungen getroffen – ich hatte ein tolles Jobangebot erhalten, das ich fast nicht ausschlagen konnte. Doch mein  Bauchgefühl  hat ich mir  gesagt: „Flieg nach Asien“! Dann hab ich für meinen damals zweieinhalb Jahre alten Sohn Emilian und mich zwei Tickets gekauft und bin nach Tokio geflogen. Wir haben dann vier Monaten in Tokio, Thailand und Indonesien verbracht. Das war eine wahnsinnig intensive Zeit, in der ich viel über mich selbst gelernt habe.


Im Sommer 2016 seid ihr wieder nach Bali geflogen…

… ja genau. Ich habe damals eine Schneiderin getroffen, die in meinem Auftrag Jumpsuits fertigt. Während unserer zwei Monate in Bali habe ich dort sehr viel Zeit und Energie in die Produktion der Jumpsuits investiert. Morgens habe ich Emilian in den Kindergarten gebracht, dann bin ich zum Stoff aussuchen und zu Schneidereien, hab mich um die Manufakturen gekümmert. Nachmittags bin ich dann mit Emilian zum Strand, hab mit ihm Sandburgen gebaut und den Sonnenuntergang genossen. Das war für mich wirkliche quality time mit meinem Sohn. Emilian spricht jetzt Englisch, Balinesisch und Deutsch, und es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte. 


So eine weite und lange Reise mit einem Dreijährigen ist alles andere als selbstverständlich, oder?

Natürlich reist man mit Kind anders als alleine, man reist langsamer, bewusster, sieht sich vielleicht nicht so viele Museen und Sehenswürdigkeiten an. Ich bin in der Schweiz geboren und in Hongkong aufgewachsen, im Alter von 11 Jahren bin ich nach Wien gekommen. Dadurch habe ich schon früh gelernt, wie vielseitig die Welt sein kann. Für mich ist Reisen selbstverständlich und ich hatte Fernweh. Kinder sind für mich kein Grund, nicht zu reisen, ganz im Gegenteil.


Welche Reaktionen hast du auf dieses Abenteuer erhalten?

Gerade im Vorfeld gab es auch viel negatives Feedback, ich erhielt Mails und Nachrichten, in denen mir gesagt wurde, wie gefährlich und unverantwortlich das sei. Doch jetzt, wo alles so gut gelaufen ist, sind die negativen Stimmen verstummt. Viele Mütter haben mir auch geschrieben, wie toll sie diese Reise finden, bitten mich um Tipps und Rat, weil sie selbst auch eine ähnliche Reise unternehmen möchten. Sie fühlen sich bestätigt: Ja, das kann man auch mit einem Kind schaffen. 


Was fasziniert dich an Bali so?

Aus Bali komme ich immer mit einer großen Portion Lebensfreude und Leichtigkeit zurück nach Wien. Die Menschen dort haben eine ganz andere Einstellung zum Leben. Die Dinge passieren nicht alle nach Plan, aber es läuft eben trotzdem. Man sieht das alles nicht so eng. Man ist nicht 24/7 erreichbar, das tut auch mal gut. Mir ist wieder aufgefallen, wie abhängig wir von den sozialen Medien sind und wie wichtig es ist, auch einmal abzuschalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.


Gerade du als Bloggerin bist ja online sehr präsent und soziale Medien sind eine wichtige Plattform für dich…

Das stimmt ganz sicher, aber ich merke oft, wie die Menschen den Bezug zur Realität verlieren. Sie denken, weil sie ein paar tolle Bilder von mir auf Instagram sehen, kennen sie mich persönlich. Das ist kein Wunder, die sozialen Medien versuchen uns das auch vorzugaukeln. Wenn man sich da so reinsteigert, dann ist das eine gefährliche Sache – das macht auf Dauer unglücklich. Aber wir müssen lernen zu erkennen, dass das alles nicht das echte Leben ist. Für mich ist das eine der großen Herausforderungen unserer Zeit – wir müssen lernen, mit diesem Thema besser umzugehen.


Wofür bist du dankbar in deinem Leben?

Für meinen Sohn Emilian, der mein Leben jeden Tag bereichert. Für meine Familie, die mich so weltoffen erzogen hat. Für gute Freunde. Mir bereitet es auch viel Freude, wenn die Menschen um mich herum Erfolg haben, etwa ein tolles Projekt funktioniert oder sie eine gute Nachricht erhalten. Auch für Kleinigkeiten, etwa wenn Emilian mich anstrahlt, da bin ich richtig glücklich. Ich hab auch gelernt, dass Herausforderungen im Leben wichtig sind. Das Jahr 2015 war zum Beispiel voll belastender Ereignisse, die mich wirklich gefordert haben. Dann hab ich erkannt, dass gerade die Dinge, die uns fordern, die außerhalb der Komfortzone stattfinden, uns wirklich weiter bringen. Klar, hätte ich mir vieles anders vorgestellt und vieles war nicht so geplant, aber ja, auch dafür bin ich dankbar.


Hast du ein Vorbild?

Es gibt so viele Menschen, die mich faszinieren. Zum Beispiel Powerfrauen, die einfach in ihrem Leben Außergewöhnliches schaffen. Als ich meine letzte Reise unternommen habe, habe ich unzählige E-Mails erhalten und manche haben mir geschrieben, dass sie jetzt auch inspiriert wurden und mit ihren Kindern auf eine große Reise gehen. Das finde ich einfach wunderbar! Auch in meinem daily life habe ich ganz viele wunderbare Menschen um mich, die mich alle prägen und mein Leben reicher machen. Ich finde es wichtig, sich mit positiven Menschen zu umgeben.


Bist du ein religiöser Mensch?

Ja, Religion hat für mich eine große Bedeutung. Ich bin jetzt keine konservative Christin, die jeden Sonntag in die Kirche geht. Ich sitz auch nicht zuhause und bete darum, dass etwas Gutes passiert. Aber dieses Gefühl, zu wissen „somebody is watching me and takes care of me“ tut mir einfach unheimlich gut. Das gibt mir auch Kraft.


Welche Frage würdest du mir stellen?

Die Frage, die ich Menschen generell stelle, ist: „Wer bist du?“. In unserer Gesellschaft kommt dann meist die Antwort: „Ja, ich arbeite in einer Bank….“, aber das ist ja nicht das, worum es geht. Das beantwortet nicht, was den Menschen fasziniert, was ihn ausmacht, was ihm wirklich wichtig ist. Viele Menschen leben ihr Leben und denken gar nicht darüber nach.


Was ist deine Leidenschaft?

(Lacht) Autofahren! Wenn ich die Musik ganz laut aufdrehe und einfach durch die Gegend fahre, das ist für mich einfach das Schönste!


 

Wir danken für das wunderbare Gespräch!

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